Andacollo ist ein kleines Städtchen 64 km von Tongoy entfernt, das wegen
seiner religösen Feiern der "Virgen von Andacollo" www.andacollochile.cl, aber auch
wegen seines touristischen Observatoriums "Collowara" www.collowara.cl bekannt ist.

Geschichte der Stadt Andacollo (aus einem spanischen Text von mir übersetzt):

Die Geschichte Andacollos ist die seiner Jungfrau und seiner Kupfer- und Gold- vorkommen. Sie liegt am Grunde einer Schlucht. 55 km südöstlich von Coquimbo und  1053m über dem Meeresspiegel, und ihre Gründung liegt vor der Ankunft der Coquistadoren. Mitte de 15. Jahrunderts beherrschten die Inkas das chilenische Territorium bis zum Bio-Bio Fluss und beuteten unter anderem die reichen Mineralien der Zone Coquimbo, Andacollo und Marga-Marga aus. Auf Befehl Pedro de Valdivias gruendete der Hauptmann Juan Bohón die Stadt La Serena im Jahre 1544.
Vier Jahre später erhoben sich die Bewohner von Copiapo, zerstörten die Stadt und töteten alle Spanier mit Ausnahme von zweien. Der erfolgreiche Hauptmann Fransisco de Aguirre baute die Stadt wieder auf und befriedete die benachbarten Täler. Das Wort Andacollo kommt aus dem Quechua „anta-colla“, welches „Koenigin des Kupfers“ bedeutet. In diesem Ort befindet sich die wunderbare Abbildung der Jungfrau Maria, die Jahr für Jahr mit so viel Liebe durch die religiösen Tänze, genannt „bailes chinos“, „turbantes“ und „danzantes“ erscheint.

Der Fund der Abbildung der Jungfrau von Andacollo

Der presbiterianer Juan Ramon Ramirez nimmt die beliebte Tradition wieder auf, die einem indianischen Bergmann die Begegnung mit dem Abbild der Jungfrau zuweist.
In Begleitung einiger Angehöriger suchte ein Indio Feuerholz im Gebirge. Als ein grosses Stück bewegt wurde, erschien halbversteckt eine kleine, kaum bearbeitete Statue aus Holz mit dunkler Hautfarbe und lieblichem Antlitz.

Manuel Concha schreibt in seinem Buch „Tradiciones Serenenses“ ueber den Fund:

„In jener Nacht hatte ein alter Indianer einen schweren Traum, wie man ihn hat, wenn man den ganzen Tag ohne Pause in einer der „catas“ seines Herren arbeitet, als er bemerkte, dass die Mine sich langsam beleuchtet hatte und dass das Licht an Intensitaet zunahm. Ein am hellsten beleuchteter Punkt, der im Licht jenes klaren und süßen Lichtes erschien, fing allmählich an seine Form zu wechseln, materielle Konsistenz anzunehmen, um sich an etwas anzunähern, dass wie ein schwimmendes Objekt erschien, eine greifbare Sache. Daraufhin hörte er klar und deutlich eine verschwommene aber verständliche Stimme, die ihm sagte: „Es existiert ein grosser Reichtum nur wenige Schritte von dir entfernt; suche zwischen den höchsten Felsen, die sich in der Ebene befinden, die sich über deinem Haupt ausdehnt. „Anda collo“. Die Stimme verschwand und das Licht erlosch. In der kommenden Nacht erschien die Vision erneut, und dieselbe Stimme sprach:

„ Die Reichtümer werden deine sein: anda, anda, collo!!“

Aufs Äußerst besorgt berichtete er seinem Herrn von dem, was er gehört und gesehen hatte. Der Spanier, im Vergleich zum Eingeborenen, sah nichts anderes als die Vorsehung zur Erfüllung seiner Wünsche: „Gehe und entdecke diesen Reichtum, aber wenn du mit leeren Händen wiederkommst, muss ich dir die Ohren abschneiden“. Der Eingeborene Collo ging fort, und kurze Zeit später kam er zurück und trug in seinen Armen die hölzerne Büste einer grobgeschnitzten Jungfrau.

Die erste Abbildung der Jungfrau, die in den ersten Berichten erwähnt wird, ist nicht die, die man zur Zeit in Andacollo sehen kann. Sie ist unter geheimnisvollen Umständen verschwunden. Auf Grund der Tatsache, dass sich die Kapelle ohne Abbild befand, verlor sie ihre Aufmerksamkeit an die Jungfrau von Rosario und nannte sich dann Pfarrkirche von San Miguel. Um den Titel zurück zu gewinnen, begann der Pfarrer Bernardino Alvarez del Tobar eine Spendensammlung unter den Einheimischen und Nachbarn von Andacollo. Es kam eine Summe von 24 Pesos zusammen, und sie bestellten eine Figur unbestimmten Aussehens in Lima. Die Figur kam zu Beginn des Jahres 1676 an, und der kirchlichen Autorität folgend, dass die Figur des Erzengels Michael ihren Platz zu Ehren der Jungfrau von Rosario verlassen musste, wurde die Figur der Jungfrau von Andacollo am ersten Sonntag des Oktobers 1676 geweiht. Es gibt kein Zeugnis über erfüllte Bitten durch die erste Figur der Virgen de Andacollo. Alle Wunder, einige kirchenrechtlich geprüft, sind Werke der 1676 erworbenen verehrten Figur der Jungfrau von Andacollo.

Kirchen Andacollos

Der Marienkult hat die Erbauung von vier Kirchen bewirkt. Ende des 16. Jahrhunderts errichtete der Lehrpfarrer Juan Gaytán de Mendoza ihr eine Kapelle. Auf Grund der Ankunft der 2. Figur im Jahre 1676 errichtete ihr der Pfarrer Bernadino Alvarez de Tobar eine weitere Kirche. Eine dritte Kirche erbaute man auf Befehl von Manuel Alday, Bischoff von Santiago. Zuletzt versetzte die grosse Basilika, die am 25. Dezember 1893 eingeweiht wurde, Besucher und Gläubige in Erstaunen; sie war das Werk der Bischöfe José Manuel Orrego und Folrencio Fontecilla. Die Baupläne wurden durch den italienischen Architekten Eusabio Chelli ausgefuehrt.

Wunder und gewährte Gnaden der Jungfrau von Andacollo

Die Wunder der Jungfrau von Andacollo und dem Gottessohn von Sotaqui sind in ganz Chile und im Ausland bekannt. Wenn man von allen durch die Gottesmutter und ihren göttlichen Sohn gewährten Gnaden eine Chronik schreiben wuerde, würde das Thema für ein ganzes Buch reichen.

Schon im Jahre 1748 schreibt ein Chronist anlässlich eines Besuches von Don Manuel Alday, Bischof von Santiago:
„Diese erhabene Jungfrau rechtfertigt ihren edlen Beistand und das Vertrauen, das man in sie setzt, durch bemerkenswerte, haeufige und juengste Wunder, die zu ploetzlichen Heilungen unheilbarer Leiden und dem zum Leben Erwecken von Toten zaehlen.“

Juan Ramon Ramirez übermittelt das herrliche Wunder von Rosa Galleguillos, das am 26. Dezember 1860 geschehen ist. Die gelähmte Galleguillos warf vor einem zahlreichen Publikum ihre Krücken weg, begleitete die Prozession und kehrte auf festen Beinen zu ihrem Hause zurück.

In dem „Buch der Gnaden und Gunstbezeugungen der Jungfrau“ erzählt uns Ramirez den Fall einer Wiederauferstandenen, nachdem sie 2 Stunden unter Wasser gewesen und vier Stunden lang für tot gehalten worden war.

Ein weiteres ungewöhnliches Vorkommnis, welches die Annalen des Heiligtums bewahren, ist bekannt als „das Schwert des Turbans“:
Der Lehrer einer Tanzgruppe der Turbane konnte nicht am Fest teilnehmen und gab sein Schwert einem anderen Lehrer. Dieser nahm an der Tanzgruppe teil, und als er in die Nähe der Jungfrau kam, konnte er das Schwert nicht zuecken. Weder er noch vier weitere Männer. Nach seiner Rückkehr gab er das Schwert zurück, und der kranke Lehrer konnte es ohne Schwierigkeit aus der Scheide ziehen.

Im Jahr 1871 erlitt Andacollo die Geissel der Pocken, die in wenigen Tagen mehr als 30 Opfer forderte. Das Volk bat den Pfarrer, dass die Jungfrau in einer Prozession die Strasse Urmeneta enlang getragen werden möge. So geschah es, und die Pest endete.

In den Zeitschriften „Estrella de Andacollo“, gegruendet im Jahre 1906, und in „ Nuestra Señora de Andacollo“, gegründet im Jahre 1921 werden viele Marienwunder an Tänzern und Gläubigen genau beschrieben.

Die Tänze

Die Tänze, die während dreier Tage (24., 25., 26. Dezember) in Andacollo vorgefuehrt werden, bilden die größte Atraktion des Festes.

Im Gegensatz zur Vielfältigkeit der Tänze und Comparsen, die an der Feier der „Virgen del Carmen“ in La Tirana teilnehmen - viele dieser Tänze sind ursprünglich peruanischer und bolivianischer Herrkunft - verteidigt Andacollo die unveränderliche Reinheit seiner Taenze: „chinos“, „turbantes“ und „danzantes“.

Der alte Tanz „chino“ von Andacollo ist ohne Zweifel der exotischste und interessanteste. Er wird von Bergleuten dargeboten, die die Ureinwohner darstellen, welche die Jungfrau verehren. Seine seltsame und wilde Choreografie lässt keine Parallele zu europäischen Volkstänzen zu. Sie kleiden sich einfarbig, die Farben nördlicher Gebirge: braun, schwefelgelb, violett oder rosa. Die Hosen weit oder kurz, verziert und unterlegt mit Spitzen und Pailletten. Sie tragen Schuhe oder Sandalen. Ziemlich dick und von derselben Farbe wie die Kleidung. Ins Hemd eingestickt tragen sie ein „ Viva la Virgen“, den Namen des Tänzers, Vögel oder Blumen. Der Gürtel ist breit, fantasievoll geschmückt mit blauen, grünen und roten Perlen. Über den Hüften hängen die breiten Lederstücke der alten „apires“ geschmückt mit kleinen Spiegeln und Steinchen in leuchtenden Farben. Sie bedecken ihre Rücken mit grossen fantasievollen Tüchern. Hauptsächtlich gehen sie unbedeckt. Einige tragen Hauben oder bestickte Mützen. Die ältesten Tänzer benutzen Röcke und Hosen aus Samt.

Der Tanz besteht aus einer Serie von athletischen Sprüngen, die sie mit dem gebückten Körper aus der Hockstellung beginnen. Sie beginnen ihre Sprünge auf einem Bein und danach auf dem anderen. Man sieht sie genauso schnell in der Luft, wie auf dem Boden. Die agilsten unter ihnen springen völlig ungewöhnliche Sprünge. Sie tanzen Stunden und Stunden ohne Rast, sie halten nicht einmal an, um zu trinken, die Jungfrau verleiht ihnen die Kräfte.